Ausführungsbestimmungen über die Fischerei im Zürichsee und Obersee
(vom 5. November 1994)[1]
Die Fischereikommission für den Zürichsee, Linthkanal und Walensee,
gestützt auf die Übereinkunft zwischen den Kantonen Zürich, Schwyz, Glarus und St. Gallen über die Fischerei im Zürichsee, Linthkanal und Walensee vom 10. September 1993[2]
I. Allgemeine Bestimmungen
Geltungsbereich
Diese Ausführungsbestimmungen regeln die Fischerei im Zürichsee und Obersee.
Für die privaten Fischereirechte (vgl. Anhang I) gelten die Abschnitte über
a)Fanggeräte und Fangzeiten (ausgenommen die Netzzahlen und die Anzahl Sportfischergeräte)
b)Schutzbestimmungen
c)Ausübung der Fischerei (ausgenommem §§ 25–30)
1. Für Berufsfischer
Allgemein
Die Berufsfischerei darf mit folgenden von der Fischereiaufsicht plombierten Fanggeräten ausgeübt werden:
– Grundnetze (§§ 3 und 4)
– Schwebnetze in Schweb- und Ankersätzen (§§ 5–7)
– Zuggarn (§ 9)
Grundnetze
a) allgemein
Es dürfen Grundnetze mit folgenden Massen wie folgt ver-
| wendet werden: |
| – Maximallänge:90 m |
| – Maximalhöhe:2,50 m |
Grundnetzfischerei (§ 3)
| Zeiten | Maschen- weite mm | Maximale Netzzahl pro Fischer | Maximale Setztiefe (Seegrund) m | Verbotene Setzzeit |
|---|---|---|---|---|
| 1. 1.–31. 3. | mind. 30 mind. 32 | 15 15 | – | – |
| 1. 4.–15. 5. | mind. 35 | 15 | – | |
| 16. 5.–31. 8. | mind. 28 zusätzlich mind. 32 | 15 15 | 20 – | werktags: 10.00–16.00 Uhr Sa 10.00–So 16.00 Uhr |
| 1. 9.–19. 11. | mind. 28 zusätzlich mind. 32 | 15 15 | 20 – | Sa 10.00–So 16.00 |
| 20. 11.– 31. 12.– | – | – | Nur mit Spezial - bewilligung |
In Gebieten, in denen mehr als 20% Felchen (Tagesfang) gefangen werden, dürfen keine Grundnetze mit einer Maschenweite von weniger als 35 mm gesetzt werden.
b) Treibnetze
Für den Treibnetzsatz dürfen vom 16. 5.–19. 11. und mit Spezialbewilligung bis 31. 12. höchstens vier Einzelnetze mit folgenden Massen verwendet werden:
| – Maximallänge | 90 m |
| – Maximalhöhe | 2,50 m |
| – Mindestmaschenweite | 32 mm |
Unmittelbar nach Setzen des Treibnetzes sind die Fische gegen das Netz zu treiben; hierauf ist das Netz zu heben.
Schwebnetze
a) allgemein
Insgesamt darf folgende Anzahl von Schwebnetzen verwendet werden:
– Zürcher Berechtigte: 11
– Schwyzer Berechtigte: 7 wovon max. 2 Netzsätze im Zürichsee (nur verankert)
– St. Galler Berechtigte: 7 im Obersee Schwebnetze dürfen nur in einer Seetiefe gesetzt werden, die mind. 5 m mehr beträgt als die Höhe der verwendeten Netze.
b) Schwebnetzsatz
Für den Schwebsatz dürfen in höchstens zwei Teilsätzen freitreibende Schwebnetze mit folgenden Massen wie folgt verwendet werden:
– Maximallänge 90 m
– Maximalhöhe 10 m
c) Ankersatz
d) Albeli- Schwebsatz
Für den Ankersatz dürfen in höchstens zwei Teilsätzen je höchstens fünf Schwebnetze mit folgenden Massen wie folgt verwendet werden:
– Maximallänge 90 m
Schwebnetzfischerei (§§ 5 und 6)
| Zeiten | Mindest - maschen- weite mm | Höchst - maschen- weite mm | Verbotene Setzzeit |
|---|---|---|---|
| 1. 1.–15. 5. | 45 | – | – |
| 16. 5.–31. 8. | 45 | – | Sa 10.00 bis So 16.00 Uhr |
| 1. 9.–19. 11. | 45 | 50 | Sa 10.00 bis So 16.00 Uhr |
| 20. 11.–31. 12. | 45 | 50 | Nur mit Spezialbewilligung |
Ankersatzfischerei (§ 7)
| Zeiten | Maschen- weite maximale oder Netzhöhe 10 m | Maschenweite bei minimaler Setztiefe (Oberähre) von 8 m, maximale Netzhöhe 8 m mm (höchstens 5 Netzteile) | Verbotene Setzzeit |
|---|---|---|---|
| 1. 1.-15. 5. | mind. 45 | 40–44 | – |
| 16. 5.-31. 8. | mind. 40 | 40–44 | Sa 10.00-So 16.00 Uhr |
| 1. 9.-19. 11. | 45–50 | 40–44 | Sa 10.00-So 16.00 Uhr |
| 20. 11.– 31. 12. § 8. Zwei der Schwebnetze des Ankersatze (§ 7) mit Maschen-weite von 40–44 mm dürfen vom 1. 1. bis 31. 8. im tiefen Teil des Zürich - sees in einem Schwebsatz verwendet werden, sofern der ganze Satz in einer Tiefe von 8 m (gemessen an der Oberähre) ausgelegt ist. | – | – | Nur mit Spezial - bewilligung |
Als tiefer Seeteil gilt der Teil innerhalb der Grenzen des Stegs der Zürcher Schiffahrtsgesellschaft Uetikon – Hafenanlage Rietliau und Seewasserpumpwerk Tiefenbrunnen – Stadtgrenze Zürich-Kilchberg.
Zuggarn
Die Kantone können die Verwendung von Zuggarnen unter den von der Fischereikommission festzulegenden Bedingungen bewilligen.
2. Für den Sportfischer
Die Sportfischerei darf ausgeübt werden
– als Freiangelfischerei gemäss § 6 der Übereinkunft
– als Angelfischerei vom Ufer aus
– als Fischerei vom stehenden Boot aus
– als Schleppangelfischerei
– als Köderfisch- und Futterfischfang
Angelfischerei vom Ufer aus
Für die Angelfischerei vom Ufer aus dürfen verwendet werden:
– eine Angelrute mit bis zu zehn einfachen Angeln ohne Köderfisch oder
– eine Angelrute mit einem Köderfisch oder einem Spinner oder Löffel mit ausschliesslich einer Dreiangel. Die Verwendung einer mehrhakigen Angel mit Widerhaken ist verboten. Die Hegenenfischerei vom Ufer aus ist verboten.
Fischerei vom stehenden Boot aus
Für die Fischerei vom stehenden Boot aus dürfen nebeneinander verwendet werden:
– höchstens drei Angelruten mit je einer Anbissstelle mit lebenden oder toten Ködern. Nur eine Angelrute darf für die Spinn- oder Löffelfischerei verwendet werden;
– die Hegene, bestehend aus einer Leitschnur (mit oder ohne Rute) mit bis zu fünf Seitenschnüren mit je einer einfachen mit Schlüchli, Insekten oder Insektenlarven beköderten Angel. Die Verwendung von mehrhakigen Angeln mit Widerhaken ist verboten. Das Werfen mit der Hegene ist verboten.
Schleppangelfischerei
a) Gerätschaften
Für die Schleppangelfischerei dürfen verwendet werden:
– die Schleike mit zwei Rollen oder Angelruten bzw. mit bis zu zwei seitlichen Hauptschnüren, für die gelten:
– Maximallänge je 40 m;
– Anbissstellen insgesamt höchstens 5;
– die Schlüchlifischerei mit einer einzigen einfachen Angel mit künstlichem oder natürlichem Wurm;
– die Tiefseeschleike mit einer Leitschnur mit höchstens fünf Anbissstellen. Der Fischereiberechtigte kann die Geräte bis höchstens fünf Anbissstellen kombinieren. Die Verwendung lebender Köderfische ist verboten. Die Verwendung von mehrhakigen Angeln mit Widerhaken ist verboten.
b) Beschränkung der Seehunde
Die Verwendung von Seehunden ist vom 1. 4. bis 31. 10. im Seegebiet unterhalb einer Linie vom Schiffsteg Zürichhorn bis zur Schiffswerft Wollishofen verboten.
c) Zeitliche Beschränkung
Die zeitliche Beschränkung im Zusammenhang mit den örtlichen Gegebenheiten für die Tiefseeschleike und für die Schlüchlifischerei ergibt sich aus Anhang II.
Die Schleike ist vom kalendarischen Sonnenaufgang bis zum kalendarischen Sonnenuntergang zugelassen. Sie ist vom 15. 10. bis 25. 12. verboten.
Köderfisch- und Futterfischfang
Es dürfen verwendet werden:
– eine Köderflasche
– ein Senknetz mit einer Netzfläche von höchstens 1 m 2.
3. Allgemeines
Einschränkungen
Fische dürfen nur mit Netzen, Garnen, Reusen und Angelgeräten gefangen werden.
Es ist untersagt,
a)für den Fischfang betäubende, explodierende oder sonstwie schädliche Stoffe sowie den elekrischen Strom zu verwenden;
b)für den Fischfang Waffen, Harpunen, Fischgabeln, Schlingen, der Tauchfischerei dienende Geräte oder chemische und akustische Lockmittel zu gebrauchen;
c)den Durchzug der Fische durch Anbringen von Gittern oder auf andere Weise zu erschweren oder zu verhindern;
d)für den Fischfang die Abflussverhältnisse von Gewässern zu verändern. Des weiteren ist untersagt,
a)den Fisch mit einem Angelgerät absichtlich an einem anderen Körperteil als dem Maul zu fischen;
b)mit der Hand zu fischen. Die Kantone sind ermächtigt, unter Vorbehalt der Genehmigung durch die Fischereikommission, die Verwendung weiterer Fanggeräte und -methoden zu verbieten. In den in diesen Ausführungsbestimmungen vorgesehenen Fällen können die Kantone Geräte und Fangmethoden in Abweichung von den Abs. 1 und 2 anwenden oder unter ihrer Aufsicht zulassen.
Feumer
Alle Fischereiberechtigten sind befugt, einen Feumer als Hilfsgerät zu verwenden.
Verbot der Nachtfischerei
Die Sportfischerei sowie das Heben und Setzen der Netze sind verboten:
– während der Sommerzeit von 23.00–04.00 Uhr
– während der übrigen Zeit von 20.00–05.00 Uhr Besondere Bestimmungen wegen ausserordentlicher Verhältnisse bleiben vorbehalten.
Schlechte Witterung
Netze, die wegen ungünstiger Witterung während der ordentlichen Fangzeit nicht gehoben werden können, sind baldmöglichst einzuholen. Der zuständige Fischereiaufseher ist unverzüglich zu benachrichtigen.
II. Schutzbestimmungen
Schonzeiten
Es gelten folgende Schonzeiten:
| – Forellen | 1. 10.–25. 12. |
|---|---|
| – Rötel (Seesaibling) | 1. 11.–31. 12. |
| – Äsche | 1. 1.–30. 4. |
| – Felchen (einschl. Albeli) | 20. 11.–31. 12. |
| – Hecht | 1. 3.–30. 4. |
Mindestmasse
Die gefangenen Fische müssen von der Kopfspitze bis zum Ende der natürlich ausgebreiteten Schwanzflosse folgende Mindestlänge aufweisen:
| – Forellen | 35 cm |
| – Rötel | 25 cm |
| –Äsche | 32 cm |
| – Felchen (einschl. Albeli) | 28 cm |
| –Hecht | 45 cm |
| – Egli (Flussbarsch) | 18 cm |
| –Aal | 50 cm |
Zurückversetzen geschonter Fische ins Wasser
Fische, die während ihrer Schonzeit gefangen werden oder die das festgesetzte Fangmindestmass nicht erreichen, sind sofort und mit aller Sorgfalt ins Gewässer zurückzuversetzen.
Mit Netzen gefangene Fische, die tot oder nicht mehr lebensfähig sind, dürfen nicht zurückversetzt werden.
Schon- und Sperrgebiete
Die Umgrenzung der Schon- und Sperrgebiete ergibt sich aus dem Anhang
III.Im Einvernehmen mit der Fischereikommission können die Kantone weitere Schon- und Sperrgebiete festlegen.
III. Ausübung der Fischerei (Rechte und Pflichten der Berechtigten)
Berechtigungzur Fischerei
Die Kantone erteilen die Berechtigung zur Ausübung der Fischerei für ihr Kantonsgebiet und bestimmen die Voraussetzungen dafür.
a) Beschränkung der Berufsfischer Berufsfischerei
Die Kantone können höchstens folgende Anzahl Berufsfischer zulassen:
| –Zürich | 12 |
| –Schwyz | 8 |
| – St. Gallen | 4 |
Das Sekretariat der Fischereikommission wird über die abgegebenen Berechtigungen in Kenntnis gesetzt.
b) Gehilfe
Die Kantone können Gehilfen des Berufsfischers die Berechtigung zur Mithilfe bei der Fischerei erteilen.
Der Gehilfe darf die Fischerei nur in Begleitung des Berufsfischers ausüben. Zusätzliche Boote und Geräte sind nicht erlaubt.
c) Stellvertretung
Die Kantone können bei längerer Arbeitsunfähigkeit des Berufsfischers die Stellvertretung bewilligen.
Bei unvorhergesehener Arbeitsunfähigkeit oder dringender Abwesenheit kann der zuständige Fischereiaufseher dem Gehilfen oder einem anderen Berufsfischer das Einholen der Geräte gestatten.
a) Berechtigungen Sportfischerei
Die Kantone können die Mithilfe einer Person, die nicht von der Fischereiberechtigung ausgeschlossen ist, in Anwesenheit und unter Verantwortung des Berechtigten gestatten. Die Verwendung zusätzlicher Geräte ist ausgeschlossen.
b) Fangzahlbeschränkung
Sportfischer dürfen pro Tag höchstens folgende Anzahl Fische fangen:
| –Forellen | 4 Stück |
| – Felchen (einschl. Albeli) | 10 Stück |
| – Seesaibling (Rötel) | 10 Stück |
| –Hecht | 4 Stück |
| – Egli | 50 Stück |
Lebend oder tot mitgeführte Fische werden auf die Fangzahl angerechnet.
e) Verbot der Egli- und Felchenfischerei
In der Zeit vom 1. 4.–15. 5. dürfen die Sportfischer keine Egli, in der Zeit vom 20. 11.–31. 12. keine Felchen fangen.
Ausweispflicht
Die Fischer sind verpflichtet, die Berechtigung beim Fischen auf sich zu tragen und sich gegenüber den Aufsichtsorganen und Grundeigentümern auszuweisen.
Die Kantone können ergänzende Ausweispflichten vorsehen.
Statistikpflicht
Die Fischer sind verpflichtet, nach Weisung der Kantone eine Fangstatistik zu führen.
Gegenseitige Rücksichtnahme
Das Berufsfischergerät hat das Platzvorrecht vor dem Sportfischergerät.
Berufsfischergeräte dürfen nur von den Berechtigten (Eigentümer, Gehilfen, Fischereiaufsichtsorganen) berührt werden.
Geschonte Fische
Die Berufsfischer können verpflichtet werden, gefangene geschonte Fische zu melden oder zur Verfügung zu halten.
Netzleerung
Netze sind vom 1. 5.–31. 10. täglich, in der übrigen Zeit mindestens alle zwei Tage zu leeren.
Köderfische
a) Fang
Ohne besondere Bewilligung dürfen nur Köderfische für den Eigenbedarf gefangen werden.
Die Kantone können den Fang von Köderfischen über den Eigenbedarf hinaus besonders bewilligen.
b) Verwendung
Als Köderfische dürfen nur Fische verwendet werden, für die keine Schutzbestimmungen gelten und die aus dem Zürichsee und Obersee stammen.
Lebende Köderfische dürfen nur an der Mundregion befestigt werden.
Bauchen
Markierungsbojen und Schwimmer haben Mindestdimensionen von 12x16x5 cm aufzuweisen.
Die Berufsfischer haben alle Netzmarkierungen mit ihren Initialen zu versehen.
IV. Bewirtschaftung
Besondere Bewirtschaftungsmassnahmen
Die Organe der Fischereikommission sowie nach Absprache mit der Fischereikommission die Kantone können für besondere Zwecke besondere Fang- und Erhebungsgeräte einsetzen und von den Schutzbestimmungen abweichen.
Der Fang von markierten Fischen ist unter Angabe von Länge, Geschlecht, Fangart und Fangzeit der kantonalen Fischereiverwaltung oder der Fischereiaufsicht zu melden. Die Marke ist der Meldung beizulegen.
Laichfischfang
Im Auftrag der Fischereikommission bewilligt das Sekretariat den Laichfischfang oder ordnet ihn an.
Der Laichfischfang darf nur mit plombierten Geräten durchgeführt werden.
Beizug der Berufsfischer
Die Berufsfischer können zur Mithilfe in Bewirtschaftungsmassnahmen verpflichtet werden.
Einsatz von Fischen
Der Einsatz von Fischen bleibt der Fischereikommission und den Kantonen vorbehalten.
V. Schlussbestimmungen
Inkraftsetzung
Diese Ausführungsbestimmungen treten nach Genehmigung durch das Eidgenössische Departement des Innern[3] auf 1. Januar 1995 in Kraft.
Aufhebung
Mit Inkrafttreten dieser Ausführungsbestimmungen werden die Ausführungsbestimmungen über die Ausübung der Fischerei im Zürichsee und Obersee vom 14. Dezember 1989 samt den darauf beruhenden Beschlüssen aufgehoben.
Veröffentlichung
Die Ausführungsbestimmungen sind in den Gesetzessammlungen der Kantone Zürich, Schwyz und St. Gallen zu veröffentlichen.
[1] OS 53, 7.
[2] 973. 72.
[3] Genehmigt vom Eidgenössischen Departement des Innern am 12. Dezember 1994.